Verwendung von Methylmethacrylat – eine Anfrage

Fragestellung
ich bin gegen MMA (Methylmethacrylat) allergisch und muss herausfinden, ob dieser Stoff in meiner engsten Umgebung vorhanden ist.
Der Grund: Ich bin 2015 an NHL (Non-Hodgin Lymphom) erkrankt und vermute, dass es u.a. mit dem Stoff zu tun hat. Ich leide seit Jahren an Asthma.
Wie kann ich herausfinden, ob dieser Stoff z.B. von unserer Baufirma verwendet wurde?

Antwort
wie Sie wissen ist MMA ein Monomer mit hohem Dampfdruck. Entspannt wird MMA als Dampf freigesetzt, der chemisch sehr wenig reaktiv ist. Spezialbaufirmen verwenden das Monomer MMA unter Zusatz eines „Starters“ zur Herstellung von Kunststoff-Fußböden oder vergleichbaren Laborflächen in der Lebensmittelbearbeitung (Schlachtereien).
Die angesetzte „Formulierung“ muss zeitnah ausgebracht werden. Während der Aushärtung kann noch nicht polymerisiertes MMA als Dampf freigesetzt werden, wodurch die Arbeiter ohne Dampfschutzmasken exponiert werden. Die fertiggestellten Kunstharzbeschichtungen, z. B. für wasserdichte Fußböden, sind gesundheitlich unbedenklich. Denn bei sachgerechter Arbeit werden nahezu alle Monomere vernetzt. Das Polymer ist dauerhaft und gibt keine sensibilisierenden Monomere mehr frei. Sollte jedoch nicht sachkundig gearbeitet worden sein, können freie MMA-Monomere bei Raumluftkonzentrationen oberhalb von 1.000 mg/cbm die Augen und Nasenschleimhäute reizen.
Sie sollten also die Baufirma und die Raumnutzer befragen, ob Reizungen beklagt werden.
Ein ursächlicher Zusammenhang von NHL und MMA-Monomer ist m. E. wissenschaftlich nicht beschrieben. Dazu müsste bestimmt wie oben erwähnt  eine jahrelange berufliche MMA-Dampfbelastung vorliegen.

Dr. med. Horst Walt
Facharzt für Arbeitsmedizin
Facharzt für Allgemeinmedizin/ Umweltmedizin
Zentrum für Arbeits- und Umweltmedizin
Weißenseer Weg 111 10369 Berlin-Lichtenberg